So schnell kann’s gehen

Am Sonntag nach dem kuriosen 10:7 gegen den EHC Waldkraiburg liegt die Mannschaft plötzlich auf dem sechsten Tabellenplatz und ist wieder im Soll. Aber noch etwas anderes war Thema bei der Pressekonferenz nach dem Wadkraiburg-Spiel: Das Internet-Mobbing gegen Torwart Andreas Gerlspeck.

Der 26-Jährige stand am Freitag in Miesbach im Tor und verließ nach dem fünften Gegentreffer das Eis für Thomas Mende. Eine Woche zuvor bei der 5:6-Niederlage in Landsberg war er ebenfalls ausgewechselt worden. Anschließend brach ein Shitstorm in diversen Sozialen Medien über ihn herein. Allerdings lag es sicher nicht an Gerlspeck, dass die Partie in Miesbach so hoch verloren ging, der Gegner war an diesem Abend den Gladiators einfach in allen Belangen überlegen.

Am Sonntag stand dann Thomas Mende zwischen den Pfosten, weil Gerlspeck beruflich auf der ISPO in München weilte, als Backup stand U 20-Torhüter Menno Bergmeister bereit. Dass insgesamt 17 Tore fielen, war nicht die Schuld der Keeper. – vor allem nicht im ersten Drittel, das 4:3 für Waldkraiburg endete. „Ich finde, dass wir da sehr gutes Eishockey gespielt haben, die vier Fehler, die zu Gegentoren geführt haben, sind vorne passiert“, analysierte Gladiators-Trainer Thomas Vogl. „Genau die stärkste Reihe hat vier Fehler gemacht“ – der Sturm mit Dürr/Michl/Babic. In der Pause sei das Problem angesprochen worden, daraufhin habe sein Team die Fehler minimiert. „Bis auf das letzte Gegentor war ich sehr zufrieden“, sagte Vogl. „Eigentlich hätte das Spiel auch 13:10 ausgehen können.“ Auf die Frage, ob er nach so einer verrückten Partie nicht mit den Nerven am Ende sei, meinte er: „Ich war relativ entspannt. Wir haben ein geiles Eishockey gespielt.“

Weit weniger entspannt war sein Gegenüber Alex Piskunov. „Wir lagen nach 35 Minuten 5:3 vorne und haben dann Hurra-Eishockey gespielt“, konstatierte Waldkraiburgs Coach. „Alle sind nach vorne gerannt, wenn es möglich gewesen wäre, dann wäre der Torwart wahrscheinlich auch noch nach vorne gerannt.“ Er bescheinigte seiner Mannschaft „ein katastrophales Spiel“ und schimpfte: „Jeder hat für sich gespielt, jeder wollte Topscorer werden, aber ich brauche ein Team mit Charakter und keine Superstars.“

Vogl nahm dann noch Stellung zur Internet-Hetze gegen Gerlspeck. Die Fans hatten ihrerseits schon Stellung bezogen und vor der Partie ein Transparent entrollt mit der Aufschrift: „Schluss mit der Hetze im Internet! Andi Gerlspeck ist einer von uns!“ Er habe schon längst damit aufgehört, irgendwelche Internet-Foren zu lesen, berichtete Vogl. „Weil diejenigen, die da Schmarrn schreiben, haben ja eh keine Ahnung vom Eishockey.“ Er persönlich gebe „einen Scheißdreck drauf“. Und er forderte die Kritiker auf: „Wenn sie was zu sagen haben, dann sollen sie herkommen.“

Vogl sagte, dass Gerlspeck ein sehr sensibler Mensch sei. „Jeder, der sowas schreibt, trifft den Gerli mitten ins Herz“, betonte der Trainer und stellte unmissverständlich fest: „Wenn ihn einer kritisieren darf, dann ich.“ Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Christoph Schedlbauer habe er drei Torhüter zur Verfügung, denen er versprochen habe, dass sie sich zeigen dürften, und er kündigte an: „Am Freitag in Höchstadt wird Menno Bergmeister seine Chance von Anfang an bekommen.“

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